Volatilität · Optionspreise
Volatility Skew erklärt: warum Puts teurer sind und was der Skew verrät
Der Volatility Skew beschreibt, dass Optionen desselben Basiswerts und derselben Laufzeit je nach Strike eine unterschiedliche implizite Volatilität haben. Bei Aktienindizes liegt die IV von Puts aus dem Geld meist deutlich über der von Calls aus dem Geld, weil Anleger für Schutz vor Kursrückgängen mehr zahlen. Ein steiler Skew zeigt hohe Nachfrage nach Absicherung, ein flacher Skew Gelassenheit.
Von Daniel Berg ·
5 % aus dem Geld: Put vs. Call
23 % vs. 18 %
- 95-Put (5 % unter Kurs)
- IV 23 %
- 100 am Geld
- IV 20 %
- 105-Call (5 % über Kurs)
- IV 18 %
- Form
- Put-Skew („Smirk“)
Runde, illustrative Werte für einen Index mit 30 Tagen Laufzeit – keine Marktdaten.
Was ist der Volatility Skew?
Das Black-Scholes-Modell geht davon aus, dass ein Basiswert eine einzige Volatilität hat. Wäre das so, müssten alle Optionen derselben Laufzeit dieselbe implizite Volatilität zeigen, egal bei welchem Strike. Rechnet man die IV aber aus den tatsächlichen Marktpreisen zurück, ergibt sich für jeden Strike ein anderer Wert. Trägt man diese Werte gegen den Strike auf, entsteht eine Kurve – ihre Form nennt man Skew. Was implizite Volatilität grundsätzlich ist, erklärt der IV-Guide.
Der Skew ist also kein Rechenfehler, sondern eine Information: Der Markt bewertet bestimmte Szenarien teurer, als das einfache Modell es tun würde. Bei Aktienindizes betrifft das vor allem starke Kursrückgänge. Seit dem Crash im Oktober 1987 notieren Index-Puts weit aus dem Geld dauerhaft mit einem Aufschlag; vorher war die Kurve deutlich flacher.
Smile, Smirk, Call-Skew: die typischen Formen
Put-Skew (Smirk)
Die IV steigt zu niedrigeren Strikes hin deutlich an und fällt zu höheren leicht ab. Typisch für Aktienindizes wie S&P 500 und DAX sowie für die meisten großen Einzelaktien.
Smile
Beide Flügel liegen über der IV am Geld, die Kurve ist annähernd symmetrisch. Typisch für Devisen, bei denen große Bewegungen in beide Richtungen ähnlich wahrscheinlich sind.
Call-Skew
Die IV steigt zu höheren Strikes hin. Kommt bei Rohstoffen mit Angebotsrisiko, bei spekulativen Aktien mit Übernahmefantasie oder in starken Aufwärtsphasen vor.
Die Form ist nicht fest. Bei Einzelaktien kann ein Put-Skew vor einem Ereignis flacher werden oder in einen Call-Skew umschlagen, etwa wenn Anleger massiv Calls kaufen – das ist eine der Zutaten eines Gamma Squeeze. Bei Kryptowährungen wechselt der Skew mit der Marktphase häufiger zwischen beiden Seiten.
Warum Puts bei Indizes eine höhere IV haben
- Nachfrage nach Absicherung: Pensionsfonds, Versicherer und Vermögensverwalter halten große Aktienbestände und sichern sie laufend mit Index-Puts ab. Diese Nachfrage ist dauerhaft und weitgehend preisunabhängig.
- Kurse fallen schneller, als sie steigen: Abwärtsbewegungen kommen oft abrupt, mit Kurslücken. Die tatsächliche Verteilung der Renditen hat ein dickeres linkes Ende, als die Normalverteilung annimmt.
- Volatilität steigt, wenn Kurse fallen: Im Ausverkauf nimmt die Schwankung zu. Ein Put, der ins Geld läuft, gewinnt deshalb doppelt – durch den Kurs und durch die steigende IV. Verkäufer verlangen dafür einen Aufschlag.
- Verkäufer brauchen eine Prämie: Wer Crash-Schutz verkauft, trägt ein seltenes, aber großes Verlustrisiko und lässt sich das bezahlen.
Umgekehrt verkaufen viele Anleger Calls auf ihre Bestände, etwa mit Covered Calls. Dieses zusätzliche Angebot drückt die IV der Calls aus dem Geld. Beides zusammen ergibt die typische Schieflage.
Wie man den Skew misst
Den Skew vergleicht man am besten über Delta statt über feste Strike-Abstände, weil sich ein Abstand von 5 % bei einer ruhigen und einer nervösen Aktie unterschiedlich weit „aus dem Geld“ anfühlt. Gebräuchlich sind:
| Kennzahl | Berechnung | Lesart |
|---|---|---|
| 25-Delta Risk Reversal | IV des 25-Delta-Calls minus IV des 25-Delta-Puts | Negativ: Puts teurer (Put-Skew). Je negativer, desto steiler. |
| Put-Skew zum ATM | IV des 25-Delta-Puts minus IV am Geld | Wie viel Aufschlag die Absicherung gegenüber dem Kurs am Geld kostet. |
| Cboe SKEW Index | Aus S&P-500-Optionen abgeleitetes Maß für das eingepreiste Extremrisiko | 100 entspricht keinem Zusatzrisiko; höhere Werte bedeuten mehr eingepreistes Crash-Risiko. |
Viele Handelsplattformen zeigen die IV je Strike direkt in der Optionskette. Wie Sie die Spalten dort lesen, beschreibt der Guide Optionskette lesen. Für einen schnellen Blick reicht es, die IV eines Puts und eines Calls mit ähnlichem Delta zu vergleichen.
Rechenbeispiel: was der Skew am Preis ausmacht
Black-Scholes-Werte je Einheit, Zins 0, runde Annahmen – keine Marktdaten.
- Index
- 100
- Laufzeit
- 30 Tage
- IV am Geld
- 20 %
- Strikes
- 95 Put / 105 Call
1Ohne Skew
Hätten beide Optionen 20 % IV, kostete der 95-Put etwa 0,57 und der 105-Call etwa 0,64. Der Call wäre sogar leicht teurer.
2Mit Skew
Mit 23 % IV für den Put und 18 % für den Call kostet der 95-Put rund 0,80, der 105-Call rund 0,49. Der Put ist jetzt gut 60 % teurer als der gleich weit entfernte Call.
3Weiter aus dem Geld
Beim 90-Put mit 26 % IV beträgt die Prämie rund 0,25 statt 0,07 ohne Skew – mehr als das Dreifache. Je weiter aus dem Geld, desto stärker wirkt der Skew.
4Collar
Wer seinen Bestand mit einem gekauften 95-Put absichert und dafür den 105-Call verkauft, zahlt netto etwa 0,31. Für einen Collar ohne Kosten müsste der Call näher am Kurs oder der Put weiter entfernt liegen.
Der Skew macht Absicherung nach unten teurer und das Verkaufen von Puts lukrativer als ein Modell mit einer einzigen Volatilität erwarten ließe. Vergleichen Sie Optionen deshalb über ihre eigene IV, nicht über die Prämie allein.
Was der Skew über die Marktstimmung verrät
Ein steiler Skew heißt, dass Anleger viel für Schutz vor fallenden Kursen zahlen – relativ zu dem, was eine Bewegung am Geld kostet. Ein flacher Skew heißt, dass dieser Schutz vergleichsweise billig ist, weil wenig Nachfrage danach besteht. Darum wird ein flacher Skew oft als Sorglosigkeit gelesen, ein steiler als Angst.
Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist die Veränderung: Wird der Skew in einem steigenden Markt immer steiler, kaufen Anleger trotz guter Stimmung Absicherung. Ein ähnliches Signal liefert eine steigende Put-Call-Ratio.
Den Skew in der Praxis nutzen
- Puts verkaufen statt kaufen: Weil Puts aus dem Geld eine Prämie über dem Modellwert enthalten, nehmen Verkäufer – etwa beim Cash Secured Put oder einem Bull Put Spread – mehr ein. Das Risiko starker Rückgänge bleibt; der Skew bezahlt nur dafür.
- Iron Condor asymmetrisch planen: Bei gleichem Abstand bringt die Put-Seite eines Iron Condor mehr Prämie als die Call-Seite. Viele Händler wählen den Put-Strike deshalb weiter entfernt oder nach Delta statt nach Abstand.
- Spreads gegen den Skew bauen: Bei einem Bear Put Spread kaufen Sie den näheren Put und verkaufen einen weiter entfernten mit höherer IV – der Skew senkt die Nettokosten. Bei einem Bull Call Spread verkaufen Sie dagegen einen relativ billigen Call.
- Absicherung bewusst wählen: Puts nahe am Geld haben weniger Skew-Aufschlag als Puts weit aus dem Geld. Eine Absicherung mit einem näheren Put-Spread kann günstiger sein als der „billige“ Crash-Put.
- Ratio-Spreads mit Vorsicht: Mehr verkaufte als gekaufte Puts nutzen den Skew aus, öffnen aber ein großes Risiko nach unten.
Häufige Fragen
Was ist der Volatility Skew einfach erklärt?
Der Volatility Skew zeigt, dass Optionen desselben Basiswerts und derselben Laufzeit bei verschiedenen Strikes unterschiedliche implizite Volatilitäten haben. Bei Aktienindizes sind Puts aus dem Geld meist teurer als gleich weit entfernte Calls, weil Anleger für Schutz vor Kursrückgängen einen Aufschlag zahlen.
Was ist der Unterschied zwischen Volatility Smile und Skew?
Beim Smile liegen beide Flügel – Puts und Calls weit aus dem Geld – über der IV am Geld, die Kurve ist annähernd symmetrisch, wie oft bei Devisen. Beim Skew ist sie schief: Bei Aktienindizes steigt die IV vor allem zu niedrigeren Strikes, zu höheren fällt sie leicht ab. Diese Form nennt man auch Smirk.
Warum sind Puts teurer als Calls?
Bei Aktien und Indizes gibt es eine dauerhafte Nachfrage nach Absicherung über Puts, Kurse fallen oft schneller als sie steigen, und die Volatilität nimmt im Ausverkauf zu. Gleichzeitig verkaufen viele Anleger Calls auf ihre Bestände. Beides zusammen hebt die IV der Puts und drückt die der Calls.
Was bedeutet ein steiler Skew?
Ein steiler Skew bedeutet, dass Absicherung gegen fallende Kurse im Verhältnis zur Option am Geld besonders teuer ist, also viel Nachfrage nach Crash-Schutz besteht. Ein Signal für einen bevorstehenden Crash ist das nicht; es kann auch heißen, dass viele Anleger bereits abgesichert sind.
Was ist ein 25-Delta Risk Reversal?
Das ist die implizite Volatilität eines Calls mit Delta 0,25 minus die eines Puts mit Delta −0,25 derselben Laufzeit. Bei Aktienindizes ist der Wert meist negativ, weil der Put die höhere IV hat. Je negativer, desto steiler der Put-Skew.
Wie kann ich den Skew beim Handeln nutzen?
Der Skew macht das Verkaufen von Puts aus dem Geld relativ lukrativ und das Kaufen von Crash-Schutz relativ teuer. Daraus folgen praktische Entscheidungen: Put-Seiten von Iron Condors weiter entfernt wählen, Strikes nach Delta statt nach Abstand setzen und Absicherung über Put-Spreads statt einzelner weit entfernter Puts prüfen.
So geht es weiter
Alle Zahlenbeispiele in diesem Guide sind gerundete, illustrative Annahmen und keine Marktdaten. Der Inhalt dient der Bildung und ist keine Anlageberatung. Optionen sind komplexe Instrumente; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich, bei verkauften Optionen auch darüber hinaus.